Samstagmorgen, der Flugwetterbericht ist von der Marke, da geht was. Ziel war der Chaseral. Ich sass bereits im Zug als mein Mobiltelefon klingelt. Bänz war am anderen Ende und meint:“ Hör mal, der Thermikwetterbericht hat 0 für den Chaseral, wir versuchen es dich lieber klassisch in Interlaken.“ Ok, ich raus aus dem Zug und 30min. später nach Interlaken.
Angekommen am Landeplatz Lehn warteten wir auf Urs und Raymond. Während dem Warten beobachtete ich einen Piloten der ca. 150m über den Bäumen dem Hang entlang flog. Alles ganz normal bis, ja bis ca. 50% des Schirms einklappten und der Pilot eine halbe Drehung machte und ich sehen konnte wie er hinter der Kante zwischen den Bäumen verschwand. Ein Flugkollege sah das Ganze ebenfalls. Ich telefonierte meinem ehemaligen Fluglehrer der mit seinen Schülern am selben Ort war. Seine Schüler haben ihm den Vorfall über Funk bereits gemeldet und Hilfe sei unterwegs.
Wir waren Mittlerweilen komplett organisierten uns zu einem Fahrdienst ins Amisbüehl hinauf. Auf dem Weg nach oben sahen wir den Rega Helikopter anfliegen. Oben angekommen waren viele Piloten anwesend, welche wegen dem Helikotereinsatz nicht starten konnten. Ich staunte ein wenig, wie gelassen alle dass ganze nahmen und ihre Vorbereitungen wie gewohnt durchführten. Klar war der Absturz Gesprächsthema und jeder hoffte, dass dem Piloten nichts passiert ist aber eigentlich ging es nur darum, dass der Helikopter möglichst bald wieder fort war, damit das Fliegen weiter gehen konnte. Auch ich bereitete mich auf meinen Flug wie gewohnt vor. Nach gut 75min. flog die Rega davon, mit dem Piloten an Bord direkt nach Bern in das Inselspital. Irgendwie Business as usual oder „That’s racing“.
Ich startete wie gewohnt und war wehr erfreut, als ich innert kürzester Zeit den Startplatz bereits überhöht hatte. Auf einmal schattete es ab und es ging nur noch nach unten. Ich flog genau dieselbe Route wie der Pechvogel und stellte schnell fest, dass mit dem in den letzten 2h aufgefrischten Talwind der Landeplatz nicht zu erreichen war. Also flog ich vom Hang und den Bäumen weg raus ins offene Tal. Unter mir sah ich einen zweiten Schirm, dem es genau gleich erging wie mir. Folget ihm und schaute ihm bei seiner Landung in einem gemähten Feld ohne Gülle zu. Ich wunderte mich, weshalb er mit eingeklappten Ohren landete. Ich war noch etwas höher, entschloss mich aber für dasselbe Feld. Ein Positionskreis um etwas Höhe abzubauen und schon wurde der Landeanflug auf das angestrebte Feld verdammt knapp. Ich sah mich schon in einem anderen Feld landen, welches schon sehr hohes Grass hatte. Meine Füsse streiften schon die Gräser und ich war in Landestellung als mich ein Aufwind erfasste und mich über die Strass in Richtung angestrebtes Feld hob. Leider wurde ich auch seitlich versetzt und dadurch ziemlich nahe an einem Haus. Ich kam mitten auf der Strasse (0 Verkehr da am A von W) zu Boden. Nur mit heftigem reissen an den Leinen konnte ich es dann noch verhindern, dass mein Schirm in das Haus Flog und sich irgendwo verheddert.
Der Fussmarsch zum Landeplatz dauerte ca. 20min. Dort angekommen erfuhr ich, dass es noch einige andere Piloten gab, die den Landeplatz nicht ereichten. Nach diesen Vorkommnissen entschloss ich mich, dass Fliegen für diesen Tag bleiben zu lassen. Irgendwie war ich nicht mehr so richtig in Stimmung und betätigte mich als Landeplatzbeschmutzer und gönnte mir ein Bier.
2h nach Interlaken und 2h wieder nach Basel und das ganze für 15min Fliegen. Irgendwie nicht ganz mein Tag. Der Aufsteller des Tages war aber eine Gruppe von 4 Piloten und Pilotinnen welche gleich am Landeplatz gegrillt haben. Sie hatten einige Kartoffeln und Fleischspiesse zuviel und anstatt diese fort zu werfen, haben sie diese schön auf einem Teller präsentiert und den noch Anwesenden serviert. Nebst dem Fliegen selbst ist genau ist es genau das, was ich am Fliegen in Interlaken im Lehn so schätze.
Auf diesem Weg nochmals Danke für den Snack und ganz gute Besserung an den verunfallten Piloten.