Lange, sehr lange ist es her, seit ich einen Eintrag geschrieben habe in mein schönes Blog
Das lag einerseits an dem schönen Wetter der mich vom Computer weg lockte und auf der anderen Seite an meinem neuen Hobby, dem Gleitschirmfliegen.
In einer Woche Grundkurs geschieht so einiges und das möchte ich der Welt nicht vorenthalten.
Andere gehen in die Ferien nach Spanien, Griechenland etc. Saldo und ich gehen nach Interlaken in einen 5-tägigen Gleitschirmgrundkurs in Interlaken.
Tag 1: Montag 09:00 Treffpunkt in Interlaken zu einem ungewissen Abenteuer mit Wetter, welches nicht gerade als ideales Flugwetter bezeichnet werden kann.
Der Kurs beginnt aber nicht Fliegen in den Lüften mit den Adlern sondern im Theorieraum mit Vorstellungsrunde und einigen Grundlagen.
Nach knapp 2h wird dann doch Übungsmaterial gefasst und nach Bern auf die Allmendwiese verschoben. Der Starke Wind mit Böen macht die ersten Versuche, den Gleitschirm in die Luft zu bekommen und dort zu halten, zunichte. Eine Kamera für Bitte Lächeln wäre jetzt eine Goldgrube. Da werden Leute 2m abgehoben, dem Boden entlang geschleift, Gleitschirme hängen in Fussballtoren und unsere Bewegungen sind alles andere als geschmeidig. Als es dann kurz nach Mittag zu regnen beginnt, ist die warme Mahlzeit im Restaurant herzlich willkommen.
Nach einem langen Mittag herrschen plötzlich ideale Übungsbedingungen für uns. Ein konstanter Wind der die Anhöhe rund um die Allmend wunderbar anbläst und die Möglichkeit eröffnet erste kleine Hopser zu wagen.
Also los die drei Höhenmeter rauf, Gurtzeug umgeschnallt, Fünfpunktekontrolle und dann los. Tempo Teufel, Gewicht nach vorne in eine Lage, in der man seit über 27 Jahren auf die Schnauze gefallen wäre und HEUREKA ich bin GEFLIEGT ich bin GEFLIEGT!!! Ok so knapp 1m über Boden und ca. 10-15m weit aber in der Luft. Einer nach dem Anderen gelingt das Abheben und Grinsende Gesichter soweit das Auge reicht. Um ca. 19:00 war dann Schluss mit lustig und es ging wieder nach Interlaken.
Tag2: Dienstag, wieder 09:00, das Wetter besser als erwartet. Etwas Theorie und dann den Schirm gepackt. Auf an den Übungshang in Habkern. Eine ca. 300m lange etwas sumpfige Kuhweide mit einem Höhenunterschied von ca. 30m. Hört sich nicht spektakulär an aber wer diesen Hang am Tag 10mal erklommen hat mit dem 20kg schweren Flugzeugs, der hasst ihn.
Nach oben, ich war der Erste, der ausgelegt hatte. Wieder anschnallen und Fünfpunktecheck, kontrolliert von Barbara der Starhelferin. Alles klar, also loooooos! Drei schnelle Schritte, Kontrollblick nach oben, vergessen, egal, weiter nach vorne liegen und sprinten mit grossen Schritten. Hopla, wo ist der Boden unter meinen Füssen? Jipiiiiii ich bin abgehoben und ca. 10m in der Luft. Meine Begeisterung ist gross, doch bevor der Genuss des Flugerlebnisses so richtig einsetzt ertönen schon die Landeanweisungen von Häppy aus dem Funkgerät. 3-4 Korrekturen und schon ist der erste Flug mit einer sanften Landung vorbei. Einer nach dem Anderen startet und Freudenschreie sind aus der Luft zu hören. Wieder oben angekommen setzt gerade Peter zu seinem ersten Start an. Irgendetwas macht er Falsch und nach ca. 5m reisst in der Schirm unsanft zu Boden. Peter ist Sportler und gibt nicht auf. Nach kurzen neu Auslegen der zweite Versuch. Leider geht wieder etwas schief und Peter crasht nochmals heftigst und nimmt sich anschliessend eine Auszeit. Allen anderen geht’s super und es hat sogar etwas Aufwind eingesetzt. Immer hoch und runter war angesagt. Irgendwann hatte jeder Mal seine Probleme. So wollte mein Schirm mich für einmal nicht tragen und der Anlauf verlängerte sich, zur Freude aller Anwesenden, merklich. Den halben Hang musste ich Rennen in einer Lage die dem Erdboden verdammt nahe war und an dem Windsack bin ich nur um ca. 2cm. vorbei. Irgendwann zeigte sich das Luftgefährt aber gnädig und ist doch noch abgehoben. Im Gegensatz zu meinen Starproblemen hatte Ayman Schwierigkeiten mit der Landung. Er fasste in die Gurte, was aus den bis zu 30m Flughöhe, gefährlich sein kann. Denn ZS von unHäppy am Funk nach dem zweiten Mal, möchte ich an dieser Stelle nicht wiedergeben. Die Übung wurde mit einer Zwischenlandung erweitert zu einem Touch ‚n’ Go.
Durch das viele Starten, Landen und Tragen begannen die Gurte zu schmerzen aber der Spass war unvermindert vorhanden. Apropos Schmerzen, Peter brachte seinen Schirm beim vierten An lauf ebenfalls in die Luft.
Nach einem Einkehrschwung auf der Rückfahrt und der Ankündigung von Höhenflügen am nächsten Tag waren wir glücklich aber müder um ca. 19:00 zurück.
Tag 3: Mittwoch, voller Erwartung und Spannung auf unseren ersten grossen Flug standen Saldo und ich pünktlich am Treffpunkt. Als erstes etwas kurze Theorie und nochmals die Grundlagen durchgegangen, denn schliesslich geht es Heute voll zur Sache.
Amisbüehl war das Ziel. Ein Starplatz nahe bei Interlaken. Die Nervosität war gross und ich der Erste der ausgelegt hatte. Ready to Go, Startcheck und los. Leider wollte mein Schirm nicht wie ich und nach 2m Anlauf war Schluss, Startabbruch. Der Schirm konnte aber einfach nach oben gezogen werden und nach 2min erfolgte der zweite Start. Start? Nein nicht wirklich. Es ging zwar 5m weiter aber eben nur 5m. Im Unterholz angekommen war die Frustration gross und eine Pause musste her. Einer nach dem anderen startete und schaffte es. Also los dachte ich mir und legte mit Hilfe der Marbach Brothers erneut aus. Nochmals ein Breaving und fest vorgenommen das Gewicht, soweit wie möglich, nach vorne zu bringen. Run Forest run!!!!! Jipiiiiiii ich bin abgehoben. Der Flug war, alles andere als ruhig, machte tierisch Laune aber auch ein zwei Perlen Angstschweiss erschienen auf der Stirn. Thermik und Rütteln in alle Richtungen ist noch nicht meine Sache. Die Übung mit dem loslassen der Bremsen wurde mal Ingnoriert.
Nach ca. 10min war wieder fester Boden unter den Füssen und das erneute Verlangen nach oben zu kommen war wieder da.
Flug zwei startete vom Luegibrüggli. Etwas tiefer als zuvor dafür mit berichten von Thomas und Sabrina, dass sie die volle Breite und etwas mehr dieses Startplatzes links und rechts ausgelotet haben. Die Erinnerung und das mulmige Gefühl des letzten Starts noch im Kopf erhöhte die Nervosität nochmals. Egal, ausgelegt, angeschnallt, check und los. Alles kein Problem und ich erhob mich erneut in die Luft. Einmal kurz die Bremse loslassen, ein paar Kreise, etwas Thermik und nach ca. 8min war auch dieser Flug leider schon vorbei.
Tag 4: Donnerstag
Treffpunkt 10:00, alle waren Pünktlich und das Wetter war sehr Ok. Das dachten wir zumindest aber Häppy erzählte was von Fön und schlecht. Die Stimmung sacke etwas ab aber ein Telefonat und los ging es mit Sack und Pack nach Marbach. Wir begutachteten den Landeplatz, bezahlten die 5.- Landegebühren für den Tag und erklommen mit der Gondelbahn das Marbacher Egg. Der Komfortanstieg gegenüber dem Vortag war enorm, die Nervosität auch. Ayman war der Erste der ausgelegt hatte und sich bereit meldete für den Start. Den obligaten Check absolviert und los ging es. Der Startplatz etwas steiler als am Vortag und viel kürzer führte einem ein mulmiges Gefühl zu. Ayman bekam das GO und startete wie im Bilderbuch. OK ich war der nächste. Check und da war das GO. „Gring ache und seggle“, der Schirm hob ab und ich mit ihm. Ein wunderbarer Flug, ohne Thermik aber toller Aussicht. Nach ca. 8min. kamen die Anweisungen zum Landeanflug und eine butterweiche Landung brachte mich wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.
Ich liess mir Zeit mit dem Zusammenpacken für den zweiten Flug und wartete auf $aldo der ebenfalls vor Begeisterung nur so strahlte. Zusammenpacken, 10min zu Fuss und nochmals rauf. Auslegen, Check und Start. Alles prima wie bei einem alten Hasen im Geschäft. Leider verlief nicht bei allen alles so perfekt und so landete $aldo mit einem etwas veränderten Gesicht. Ein Knoten in den Leinen zwang ihn zu einem Startabbruch welcher im Unterholz endete und seinen Spuren hinterliess. Nicht schlimm aber sichtbar.
Tag 5: Freitag.
Der letzte Tag des Kurses. Begin um 09:00 mit Theorie. Die Theorie muss sein, denn wir haben diese wegen dem tollen Wetter steht’s verschoben und dafür gibt es am letzten Tag keinen Termin mehr. Egal um zehn ging es aufs Amisbüehl. Ja das ist der Starplatz mit meinen Startproblemen. Und auch diesmal ging der Start schief. Leider nicht schon nach 5m sondern erst nach ca. 15m mitten im Unterholz und zur hälfte im Baum. Gleich nach dem Crash mal kurz die Durchsage in Funk das es mir gut geht und dann mühsam mit Hilfe von weitern Kursteilnehmern den Schirm mühsam nach oben getragen. Die Leinen waren alles andere als geordnet, was beim erneuten Auslegen nicht unbedingt zur Beschleunigung diente.
Der zweite Start war schon einiges besser und wieder einmal hatte mich die Luft. 10min Flug ein paar Kreise, etwas Thermik und wunderbar gelandet. Flug Nr.5 war Geschichte.
Flug Nr. 6 ging von der Anderen Talseite aus. Die „Schinigi“ musste herhalten. Hoch ging es mit einer Standseilbahn Marke Bern. Es dauerte eine Ewigkeit bis die Kamelbuckel erreicht waren. Umso schöner war danach die Aussicht und Vorfreude auf den Flug. Der Startplatz ist sehr Breit, mit einigen Steinen und Kuhfladen versehen und angenehm steil. Ausgelegen, starten, alles kein Problem. Über dem Wald flogen zwei Fremde und eine Flugschülerin mit mehr Erfahrung in einem Thermikschlauch. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen und kreiste fröhlich drei runden mit. Da ertönte es dem Funkgerät, dass ich bitte aus der Thermik solle. Gehört, getan und nach 15min war auch dieser Flug zu ende mit samt dem Grundkurs. Da ich aber weiterfliege, kommen sicher noch einige Fluggeschichten dazu.
September 4th, 2006 at 10:59 pm
Cool, einfach cool =) Hast nen schönen Beitrag getippt, mehr davon bitte!
März 26th, 2009 at 9:04 pm
Hallo,
in Deinem Grundkurs ging es ja gleich voll zur Sache! Ich habe letztes Jahr einen Grundkurs gemacht (Kanns`t ja mal meinen Blog “doniphan.de” besuchen)
Dieses Jahr mache ich meinen ersten Höhenkurs. Bin mal gespannt wie das wird.
Fliegst du regelmäßig?
Gruß aus Mannheim
Andreas